top of page

Toxische Männlichkeit

Kürzlich erhielt ich den Post eines TV- Senders, der u.a. folgenden Satz enthielt:


„Toxische Männlichkeit ist ein unterschätztes Problem. Kriminalität und Sucht- vor allem Männersache.“


Nachdem ich aufgrund der Verallgemeinerung tief durchgeatmet hatte, schoss mir durch den Kopf: ja klar, nach meiner Erfahrung sind es auch hauptsächlich Männer, die mit ihrer Emotionalität alleine gelassen werden. Einschränkungen in Impulskontrolle und Frustrationstoleranz sind 2 der möglichen Ursachen für Kriminalität und Sucht und entwickeln sich im Kindes- und Jugendalter. Das häufige Fehlen oder emotional kaum erreichbare Väter und ein eher weiblich geprägtes Betreuungs- und Bildungssystem an Erzieherinnen und Lehrerinnen hinterlassen eine große Leere an männlich geprägter Begleitung. Vor allem das Fehlen männlicher Vorbilder erschwert die Rollen und Identitäts- Bildung und den Umgang mit der Regulation von Frust, Ärger und Wut. Sätze wie: „Es sind hauptsächlich Muttis von Jungen, die viel Ärger haben“ oder „meine Schulklasse ist chaotisch, weil so viele Jungs drin sind“ zeigen eine oft schon früh beginnende Stigmatisierung von Jungen als „Störer“ und „anstrengend“.

Männlicher naturgemäß stärkerer Bewegungsdrang wird unverändert pathologisiert, als z.B. „ADHS“, und damit „krank“ und behandlungsbedürftig abgetan- allzu oft, damit Erzieher, Lehrer und Eltern ihre Ruhe haben und Verantwortung auf eine „Krankheit“ delegieren können. Die oft verlangte und teilweise von Lehrern und Eltern eingeforderte Medikation führt zu einem Lerneffekt, „unerwünschtes Verhalten“ mit einer „Pille“, und damit Droge schnell und unkompliziert in „erwünscht“ und „angepasst“ umwandeln zu können. Beständige motorische Unruhe und stärkere Impulsivität können auch auf Hochsensibilität oder auf eine frühe Traumatisierung durch Beschämung, Kränkung oder Ohnmachts- Erfahrungen hinweisen. Diese über die Lebensjahre mitgeschleppten Erfahrungen der unzureichenden Wahrnehmung der männlichen Persönlichkeit und das erlernte Konsumverhalten können zu gegebener Zeit ihre Kompensation in Kriminalität oder Sucht finden.


Ein unterschätztes Problem ist der häufig toxische Umgang mit der ureigensten männlichen Kraft und Energie.


23 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

תגובות


bottom of page